Rund ums Hören

Viel Lärm um Nichts?

Von den Ursachen und Folgen einer Schwerhörigkeit

Unser Gehör ist rund um die Uhr im Einsatz. Schwerhörigkeit ist daher eine ernst zu nehmende Einschränkung der Lebensqualität. In Deutschland sind rund 15 Millionen Menschen davon betroffen. Eine Abnahme des Hörvermögens mit steigendem Alter ist normal. Neben dem Alterungsprozess sind wir in Industrienationen aber auch zunehmend einem höheren Geräuschpegel ausgesetzt. Und auch kurzfristige, extreme Lärmbelastungen, wie bei Konzerten oder in Diskotheken, können die Sinneszellen im Ohr und unser Gehör ernsthaft schädigen.

In den meisten Fällen ist eine Schwerhörigkeit ein schleichender Prozess. Verringert sich die Reizempfindlichkeit im Innenohr, nimmt das Gehirn zunächst nur hohe Schallinformationen nicht mehr wahr. Betroffene „überhören“ Vogelgezwitscher oder Kinderstimmen. Die Geräuschinformationen, die dabei verloren gehen, kann das Gehirn eine ganze Weile durch das Erinnerungsvermögen rekonstruieren. Daher dauert es oft sehr lange, bis eine Hörminderung wirklich störend wird oder auffällt. Durchschnittlich vergehen 10 Jahre vom Beginn einer Hörminderung bis zur Versorgung mit einem Hörgerät. Doch bleibt eine Schwerhörigkeit unversorgt, verlernt das Gehirn irgendwann, Geräusche und Sprache voneinander zu unterscheiden. Einem Gesprächsverlauf zu folgen, wird dann sehr anstrengend. Betroffene fühlen sich oft isoliert und ziehen sich immer mehr aus dem Alltag zurück.

Ein Hörgerät kann dabei helfen, Sprache wieder besser von Geräuschen zu trennen und besser zu verstehen. Hörgeräte sind heutzutage so unauffällig, dass andere diese kaum sehen können. Sie sorgen nicht nur dafür, dass Menschen mit Hörminderung wieder besser hören. Hörgeräte helfen auch dabei, den Alltag zu meistern und wieder am sozialen Leben teilzunehmen.

Fit bleiben im Kopf... und im Ohr

Rudi Assauer, Ronald Reagan und Margaret Thatcher – das sind drei prominente Beispiele für die weltweit etwa 47 Millionen Menschen mit Demenz. Ungefähr anderthalb Millionen von ihnen leben in Deutschland. Bislang gibt es kein Heilmittel gegen Demenz oder seine häufigste Form, Alzheimer. Forscher haben jedoch herausgefunden, dass es einige Faktoren gibt, die dem Abbau des Gehirns und dem Verlust der geistigen Fähigkeiten entgegenwirken können.

Dass regelmäßige Bewegung, gesundes Essen und soziale Aktivitäten das Gehirn fit halten, ist bekannt. Darüber hinaus sorgt alles, was das Gehirn anregt, bestehende Verknüpfungen aktiv zu halten sowie neue Verknüpfungen herzustellen, für eine stabilere und länger anhaltende geistige Fitness. Relativ jung ist die Erkenntnis, dass gutes Hören ebenfalls dabei hilft, unsere Synapsen in Bewegung zu halten. Studien zeigen, dass schon eine geringe Hörschwäche das Risiko an Demenz zu erkranken, um das Doppelte erhöht. Eine starke Hörminderung verfünffacht das Risiko sogar.

Der Grund: Wir hören mit den Ohren, aber wir verstehen mit dem Gehirn. Wer schlecht hört, mutet auch seinem Gehirn eine Menge zu. Es muss sich nämlich unheimlich anstrengen, um Gesagtes zu entschlüsseln. Das kostet viel Energie, die dann für andere Gehirnbereiche fehlt. In der Folge nimmt die geistige Fitness ab und das Risiko einer Demenzerkrankung steigt. Wer sich bestmöglich gegen eine Demenz wappnen will, sollte also noch ein Stückchen weiterdenken als nur bis zum Gehirn. Die rechtzeitige Behandlung einer Hörminderung gehört genauso zur Vorsorge wie kognitives Training. Denn Hörgeräte sorgen für das richtige Teamwork zwischen Kopf und Ohr.

Demenzprophylaxe
Smarte Hörgeräte

Hörgeräte der neuesten Generation sind wahre Wunderwerke. Sie werden nicht nur immer kleiner und unauffälliger, sie können auch immer mehr. Und bieten damit in einer zunehmend vernetzten Welt einen weiteren Mehrwert in Sachen Lebensqualität. Wer von Schwerhörigkeit betroffen ist, möchte in erster Linie eines: Wieder besser hören und wieder an Unterhaltungen teilnehmen können sowie sich wieder integriert fühlen.

Für das beste Hörerlebnis scannen moderne Hörgeräte ihre Umgebung bis zu 500 Mal pro Sekunde akustisch, erkennen Stimmen und Störgeräusche und filtern sie. Sie bieten allerdings noch einen anderen Nutzen. Denn sie lassen sich mittlerweile mit den täglichen Dingen des Lebens vernetzen. Smarte Hörgeräte kann der Nutzer bequem per App vom Smartphone aus steuern. Damit lässt sich die Lautstärke oder die Bass-­ und Höhenbalance regeln, die Schallquelle in ihrer Richtung eingrenzen, der Batteriestatus checken oder das Hörprogramm auswählen. Einige Smartphone-­Hersteller bieten diese Funktionen mittlerweile sogar bereits in das Handy integriert an, sodass das Hörgerät ohne spezielle App direkt ansteuerbar ist. Viele Hörgeräte bieten außerdem die Möglichkeit, sich mit dem Fernseher oder Telefon zu verbinden, sodass der Ton ohne Umwege auf dem Ohr ankommt und nebenbei noch eine Unterhaltung geführt werden kann.

Die Möglichkeiten, einem barrierefreien Leben durch smarte Hörsysteme näher zu kommen, sind noch längst nicht ausgeschöpft: Das Potenzial ist riesig. Man denke nur einmal an die Vernetzung eines Hörgeräts mit der Haustürklingel, der Alarmanlage oder gar dem Rauchmelder. Dann wird das Hörsystem nicht nur zum smarten Bindeglied zu Multimedia, sondern sogar zum Lebensretter.